Freie- und Abrissstadt Hamburg - von der Zukunft der ESSO-Häuser
Für die Bündnisdemonstration "Mietenwahnsinn stoppen - Wohnraum vergesellschaften" gibt es neben dem gemeinsamen Bündnisaufruf mehrere Aufrufe von Gruppen aus dem Bündnis. Hier ist der zu den Esso-Häsuern in St. Pauli
Hamburg, die Stadt am Wasser, das Tor zur Welt, von vielen liebevoll ihre Perle genannt. Und mittendrin der 6190 qm große Schandfleck, auch bekannt unter den Namen Esso Häuser. Ein hässlicher, verkommener Wohnblock über der berühmtesten Tankstelle Deutschlands. 2009 gerät es endlich in liebevolle Investorenhände, die beschließen dem Grauen ein Ende zu setzen. Die Bayrische Hausbau GmbH nimmt sich dem architektonischen Elend an und geht somit entschlossen gegen den allgemeinen Verfall auf St. Pauli vor. Die Stadt kann aufatmen.
Doch die Initiative Esso Häuser, ein Zusammenschluss aus kampfbereiten Mieter_innen, arbeitslosen Künstlern und zwielichtigen Gewerbetreibenden setzt zu linkspropagandistischem Gezeter an.
Die Offiziellen meinen: Was soll denn dieses Gejammer immer? Das Wachstum einer Großstadt, insbesondere einer prosperierenden wie Hamburg ist völlig natürlich. Ebenso natürlich muss altes dem neuen weichen. Man kann doch nicht jede Bruchbude unter Denkmalschutz setzen, nur weil sie älter als 10 Jahre ist. Stadtentwicklungsbeauftragter Andy Grote (SPD) weiß, die Nachkriegsgebäude sind „ahistorisch“. Die Nachkriegszeit gab es also nicht? Aha. Außerdem sind die Häuser hässlich, ist das qualifizierte Argument vieler Politiker_innen. Grund genug, die Häuser abzureißen und damit über 110 Mieter_innen umzusetzen. Na Schwamm drüber, schließlich will die Bayerische Hausbau GmbH mehr Wohnraum schaffen, wenn auch privatisierten und daher teureren, sowie Platz für kiezaffines Gewerbe. Kiezaffin , sowie jetzt die Esso-Tankstelle, das Molotow, das Planet Pauli oder Autohotel? Zumindest nachempfunden, so das Versprechen.
Also eigentlich so wie früher? Nur besser, schöner und dank selbstlosem Machtwort der SPD, mit 30% Sozialwohnungsanteil, so dass auch die ehemaligen Mieter sich die neuen, besseren Wohnungen leisten können. Vorausgesetzt, dass sie Anspruch drauf haben und nicht zu mehr als der Hälfte der Mieter_innen gehören, die nach Erfahrungswerten von Mieter helfen Mietern, nach einer Umsetzung nicht zurückkehren. Dass die Neubebauung mit 70% Anteil an privatisiertem Wohnraum, erneute Mietsteigerung in der gesamten umliegenden Nachbarschaft nach sich ziehen wird, stört keinen großen Geist.
Also weiter kalte Glasbauten aus dem Boden sprießen lassen, die von einer sterilen Aura umgeben selbst in den unscheinbarsten Häusern unerschwingliche Mietpreise innerhalb ihres mächtigen Radius herbeizaubern.
Was ist aber wenn wir auch noch in Zukunft ein St. Pauli der Unterschiedlichkeit antreffen wollen? Müssen wir dafür ins St.Pauli Museum, um etwas in der Vorstellung wieder aufleben zu lassen, was gerade unwiederbringlich zerstört wird? Werden die Charaktere die St. Pauli prägen nur noch am Stadtrand anzutreffen sein, ganz nach dem Motto: „Randgruppen an den Rand“?
Wir fordern: Kein Abriss der ESSO Häuser, Wohnraum für alle, keine Verdrängung! Vielfalt und Toleranz sind keine soziale Utopie, sondern bei nachhaltiger Stadtplanung durchaus möglich und nötig.
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