Solidarität mit der Corrala Utopia in Sevilla

Im spanischen Sevilla droht der "Corrala Utopia" die Räumung. Ausgehend von den Informationspunkten für Betroffene von Zwangsräumungen, die in allen Stadtteilen Sevillas entstanden, schlossen sich Anfang 2012 erstmals 36 Familien zusammen, um die Besetzung eines seit drei Jahren leerstehenden Hauses zu planen. Im Mai 2012 zogen sie dann in das Haus ein – und gaben dem Haus den Namen „Corrala de las vecinas la Utopía“. Einige der Bewohner_innen besuchten im letzten Herbst Hamburg und nahmen an der Demonstration "Mietenwahnsinn stoppen" teil.
Nun, ein Jahr nach dem Einzug will die Sparkasse Ibercaja in deren Besitz das Haus in der Zwischenzeit überging dieses räumen lassen.

Aus diesem Anlass fanden sich am vergangenen Donnerstag in Hamburg ein paar solidarische Menschen zusammen und schickten ein Protestfax an die Ibercaja-Zentrale. Die Idee dahinter ist: Zum einen Ibercaja zu zeigen, dass es an vielen Orten Menschen gibt, die solidarisch mit der Corrala Utopia sind und nicht bereit sind eine Räumung einfach hinzunehmen. Zum anderen verbrauchen schwarze Faxe viel Tonerfarbe und nerven dort wenigstens ein bisschen. Eine kleine Aktion, die sehr zum Nachahmen empfohlen ist und sich von überall machen lässt, wo ein Faxgerät steht!

Heute wurden drei Transparente an der Hafenstraße angebracht (siehe Foto). Expropiar Ibercaja heißt Ibercaja enteignen.

Am kommenden Mittwoch (22.5.) wird es eine weitere Solidaritätsaktion geben: Um 17:00 Treffen im Park Fiction zur Fahrraddemo für den Erhalt der Corrala Utopia

--- Solierklärung ---

Im Original auf Spanisch auf der Seite der Corrala Utopia. Wenn ihr die Solierklärung unterzeichnen wollt, schreibt das denen direkt corralautopia@gmail.com oder an uns dann leiten wir das weiter: corralasolidarity@nadir.org

Der Mai 2013 ist der entscheidende Monat für die Corrala Utopia – ein Jahr nachdem diese von 36 Familien besetzt wurde. Diese zogen in ein leerstehendes Gebäude ein, um für das Recht auf eine würdige Wohnung zu kämpfen. Am 7., 21. und 22. Mai finden Gerichtstermine statt, bei denen die angeklagten Familien aussagen müssen. Die Sparkasse Ibercaja drängt derweilen weiter auf die Räumung des Gebäudes, ohne dass es in den seit Monaten laufenden Verhandlungen irgendwelche Fortschritte gegeben hat.

Deshalb bitten wir euch, dieses Schreiben zu unterzeichnen, und es so weit wie möglich unter Gruppen und Organisationen zu verbreiten. Eure Unterstützung ist wichtig, damit wir das Recht auf die „Utopía“ erkämpfen können. Eure Unterstützung könnt ihr an corralautopia@gmail.com senden. Vielen Dank, dass ihr immer an unserer Seite steht! Weder Leute ohne Haus, noch Häuser ohne Leute!

WEIL WOHNRAUM EIN VERFASSUNGSMÄSSIGES RECHT IST

Ibercaja muss sich mit den Familien der Corrala Utopia einigen!

Während der letzten Jahre haben wir ein soziales Drama erlebt, das direkt mit der ökonomischen Krise, die unser Land derzeit durchläuft zusammenhängt. Die Arbeitslosenquote ist im gesamten spanischen Staat auf 27% angestiegen, in Andalusien sogar auf 36%. Mehr als 6 Millionen Arbeitslose sind angesichts der verheerenden Zukunftsprognosen von der sozialen Exklusion bedroht. Besonders hart trifft es tausende Familien, die ihre Wohnungen verloren haben (weil sie die Raten der Hypothek oder die Miete nicht mehr bezahlen konnten) und jene, die keine neue Wohnung zu menschenwürdigen Bedingungen finden. Gleichzeitig stehen, wie die Zahlen zeigen, alleine in Andalusien zwischen 700.000 und 1.000.000 Wohnungen leer - in ganz Spanien beträgt die Zahl der leerstehenden Wohnungen bis zu 6 Millionen.

Wir teilen voll und ganz die Meinung des Präsidenten von Ibercaja, Amado Franco, der am Montag dem 29. April erklärte dass das „Recht auf menschenwürdigen Wohnraum verfassungsmäßig garantiert ist, es aber diesem Land Familien gibt, die keinen Zugang zu einer Wohnung haben, während Abertausende von Wohnungen leerstehen. Das ist ein Widerspruch, für den wir uns schämen sollten.“ Herr Franco bestätigte auch, dass es sich für Ibercaja lohnen würde „Wohnungen für eine soziale Miete von 100 Euro zu vermieten, bevor sie über drei oder vier Jahre leerstehen.“ Weil wir der Überzeugung sind, dass den Worten Taten folgen müssen, fordern wir Ibercaja auf, im Sinne der Worte ihres Präsidenten zu handeln, und sich mit den mehr als 30 Familien der Corrala Utopia zu einigen.

Diese Familien führen seit einem Jahr einen friedlichen und beispielhaften Kampf. Sie zogen in ein Gebäude ein, dass seit über drei Jahren leer stand.Bevor es in den Besitz von Ibercaja überging gehörte es Maexpa, einem Immobilienunternehmen, dessen Eigentümer wegen Steuerhinterziehung und Korruption vor Gericht stand. Ibercaja hat das Gebäude übernommen und damit einen Teil der Schulden von Maexpa getilgt und die ausstehenden Schulden erlassen. Solche Übereinkünften werden den unzähligen Familien, die nicht mehr in der Lage sind ihre Schulden zu zahlen seitens Ibercaja übrigens nicht angeboten. Ibercaja ist hat nun die Verpflichtung, zu einer Einigung mit den Familien der Corrala Utopía zu gelangen.

Sie haben die Möglichkeit zu zeigen, dass nicht alle Personen, die Geldtinstitute in unserem Land leiten, gleich sind. Die Gesellschaft hat mit Schrecken beobachten müssen, wie in den letzten Jahren Banken Familien geräumt haben, deren einziges Vergehen es war, die Arbeit zu verlieren und die Raten für ihre Hypotheken nicht mehr zahlen zu können.

Wir glauben, dass es ein absoluter Wahnsinn ist, wenn in ganz Spanien mehrere Millionen Wohnungen leer stehen, die in ihrer Mehrheit Banken gehören, während hunderttausende Familien dringend eine Wohnung benötigen. Wie der Präsident ihres Geldinstitutes sagte: Die Geldinstitute müssen einsehen, dass die Immobilienblase geplatzt ist, und dass diese Wohnungen weiterhin leer stehen und für viele Jahre keine Käufer finden werden. Nehmen Sie Vernunft an, kommen Sie zu einer Einigung mit den Familien der Corrala Utopia, diese sind bereit eine soziale Miete zu zahlen, um in den Wohnungen, die leer standen, wohnen zu können.

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Solidarität mit den Corralas

In Spanien nehmen immer mehr Menschen die Lösung der Wohungsfrage in die eigenen Hände. Fast wöchentlich gibt derzeit Nachrichten über ein neues Haus, das von Familien besetzt wurde, die in die Obdachlosigkeit getrieben wurden. Es sind Menschen jeglichen Alters und mit sehr unterschiedlichen Hintergründen, die in die Häuser einziehen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich aus der Not heraus den leerstehenden Wohnraum aneignen und politische Forderungen artikulieren. Neben der Forderung nach einen Recht auf würdiges Wohnen für alle und der Entschuldung von Menschen, die die Hypotheken nicht mehr zahlen können, fordern sie, dass sie in den Häusern zu einer sozialen, d.h. für sie bezahlbaren Miete wohnen bleiben können. Es gibt auch eine Bezeichnung für diese neue Art von Hausbesetzung: In Andalusien werden diese Häuser mittlerweile „Corrala“ genannt. Auf dieser Seite wollen wir Informationen über die Corralas verbreiten und die Bewegung damit unterstützen.