Aufwertung und Verdrängung in Wilhelmsburg
Für die Bündnisdemonstration "Mietenwahnsinn stoppen - Wohnraum vergesellschaften" gibt es neben dem gemeinsamen Bündnisaufruf mehrere Aufrufe von Gruppen aus dem Bündnis. Hier ist der von Aku-Wilhelmsburg
Die Stadt Hamburg betreibt seit knapp einem Jahrzehnt offensiv die Erschließung Wilhelmsburgs und der Veddel für neue Bevölkerungsgruppen, Investitionen und die Inwertsetzung von Boden. Mit dem „Sprung über die Elbe“ und der Internationalen Bauausstellung (IBA) soll eine neue Mittelschicht angesiedelt werden, die stabilisierend auf den „Problemstadtteil“ einwirkt. Es werden tiefgreifende städtebauliche und naturräumliche Eingriffe vorgenommen, die jedoch nicht die immense Verkehrs- und Lärmbelastung verringern – vielmehr werden vormals weitgehend sich selbst überlassene Räume geordnet, kommerzialisierte Parklandschaften geschaffen und für Bauland auch mal Biotope planiert. Zugleich soll durch Gentrifizierung von Oben eine Aufwertungsdynamiken in Gang gesetzt werden: Die IBA subventioniert Kunst-Events, die Saga studentisches Wohnen, „Partizipation“ und „Dialog“ sollen bürgerschaftliches Engagement befördern und der Stadtteil wird mit einer permanenten Image-Kampagne zugeballert, die die Wunderwelten einer Stadt von morgen entwirft.
An den heutigen Problemen der Menschen im Stadtteil geht dies Politik nahezu vollends vorbei, ja verstärkt diese noch: Effekte wie steigende Mieten bei sinkenden Löhnen und ein mittlerweile „dichter“ Wohnungsmarkt wirken sich besonders drastisch auch für jene Bewohner_innen aus, die mit rassistischen Diskriminierungen und „Wohnen mit AlgII“ zu kämpfen haben. Hinzu kommen Profitstrategien privater Wohnungskonzerne wie der GAGFAH, die durch die Einsparung von Instandhaltungskosten ganze Wohngebiete verrotten lässt. Aber gerade hier regt sich auch Widerstand: GAGFAH-Mieter_innen protestierten gegen verschimmelte Wohnungen und eine ignorante Vermieterin, und machten so auch die Folgen der Privatisierung von Wohnraum deutlich. Dass die Angebotsmieten in Wilhelmsburg nahezu flächendeckend steigen (21% seit 2006) und im Reiherstiegviertel auch vermehrt Eigentumswohnungen entstehen, ist mittlerweile selbst im Bezirksamt Mitte angekommen. Man will dort nun eine soziale Erhaltungsverordnung prüfen – zynisch angesichts der übergreifenden Aufwertungsstrategie, die hinter diesen Entwicklungen steht und dringend gestoppt werden muss.
AKU Wilhelmsburg
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