Liebe Mopo, es reicht!

Die Betreiber_innen der Facebook-Seite "Leerstand zu Wohnraum" haben beschlossen, bis auf Weiteres keine Links der Hamburger Morgenpost mehr zu teilen! Wir dokumentieren im Folgenden ihren Offenen Brief an die Mopo ...


Liebe Mopo, es reicht!

Wir, die Betreiber_innen der Facebook-Seite "Leerstand zu Wohnraum", haben beschlossen, bis auf Weiteres keine Links der Hamburger Morgenpost mehr zu teilen!* Warum? Anlass ist für uns die unsägliche Berichterstattung um die Ereignisse in Altona-Altstadt Mitte Juli.

 

Am 11. Juli wurden eine Gruppe von 16 Jugendlichen am Abend von Polizisten angehalten. Die Polizei beließ es nicht bei einer Kontrolle, sondern ging mit Pfefferspray und Knüppel gegen die Jugendlichen vor. Nur der Besonnenheit der Jugendlichen, ihrer Familien und der Anwohner_innen ist es zu verdanken, dass die Situation in der Folge nicht weiter eskaliert ist. 200 Anwohner_innen erklärten bei einer Versammlung drei Tage später: "Wir sind schockiert über diese Ausmaße der Polizeigewalt."

 

Und was macht die Mopo? Sie spricht seitdem von den "Altona-Randalen" und versucht die Stimmung weiter anzuheizen: "Drohen uns bald Verhältnisse wie in Paris?" wurde am 15. Juli Strafrechtsexperte Bernd-Rüdiger Sonnen befragt. Die Antwort war klar und deutlich: "Nein". Doch die Mopo lässt seitdem keine Chance verstreichen, um die Gegend rund um die Holstenstraße mit einer Hetzkampagne zu überziehen. Wir sagen: Es reicht!

 

Es ist von der Hamburger Morgenpost vielleicht zu viel erwartet, dass sie sich hinter die Bewohner_innen des Stadtteils stellt. Was wir aber verlangen, ist eine ausgewogene Berichterstattung, in der Polizeistatistiken nicht tendenziös interpretiert werden, in der keine rassistischen Stereotypen bedient werden und in der keine Stigmatisierung der Anwohner_innen eines Stadtteils betrieben wird. Wir fordern, dass endlich die Anwohner_innen zu Wort kommen! NDR, taz und sogar das Hamburger Abendblatt haben es vorgemacht und den Wünschen und Forderungen der Anwohner_innen Platz eingeräumt. Hört auf mit dem Scheiß! Es gibt kein "Pulverfass Altona".

 

Und noch ein wichtiger Hinweis, den die Mopo als einziges Medium ignorierte (Bericht am 20. Juli):

Einig waren sich alle Nachbarinnen und Nachbarn (einige davon seit 30 Jahren im Viertel lebend) bei der großen Versammlung am 14. Juli, den Begriff „Stolperviertel“ noch nie gehört zu haben. Offenbar handelt es sich um einen Begriff, den ausschließlich die Polizei kennt und in ihren Erklärungen nutzt. Es ist zu befürchten, dass mit diesem Begriff ein sozialer Raum konstruiert und stigmatisiert werden soll (analog bspw. zur „Lenzsiedlung“, die in breiten Teilen der Öffentlichkeit lange Zeit für einen „gefährlichen Ort“ stand). Wir bitten Sie daher, diesen Begriff zukünftig in der Berichterstattung zu vermeiden.


Es grüßt das Team von "Leerstand zu Wohnraum"

 

*Wenn wir bei Facebook Medienberichte kommentieren und teilen, erhöhen sich die Zugriffszahlen bei den jeweiligen Verlagsseiten. Über 10.000 "Fans" von "Leerstand zu Wohnraum" sorgen so bislang für erhöhte Klickzahlen auf der Mopo-Homepage. Damit ist nun Schluss!