Kommentar: Neues von PROCOM in Ottensen

Neues von PROCOM in Ottensen. Heute: „Ich mach mir die Welt, wide wide, wie sie mir gefällt“. Ursprünglich sollten auf dem Zeiseparkplatz in Ottensen, einem städtischen Areal, 86 neue Wohnungen entstehen - davon mehr als 50% gefördert. Stattdessen soll nun auf dem Gründstück ein Büroklotz für mehr als 850 Mitarbeiter des Werbegiganten WPP gebaut werden.

Auf der Projektseite von ZEISE II (http://www.zeise2.com/) verteidigt der Investor diesen Sinneswandel und sieht vielmehr in dem Bau des Bürogebäudes einen wichtigen Schritt im Kampf gegen die "Monokultur des Wohnens" im Viertel: "Damit ein Stadtteil funktioniert und lebendig bleibt, braucht es aber auch Raum für Arbeitsplätze", so PROCOM.

Überhaupt wurden laut PROCOM ja in den letzten Jahren schon hunderte neuer Wohnungen in Ottensen gebaut bzw. sind in Planung, weswegen man den Wegfall der über 40 geplanten Sozialwohnungen (+ 46 weiteren Mietwohnungen) schon verkraften kann. Damit sei der Nachfrage Genüge getan und eine Bürohaus an dieser prominenten Stelle nur folgerichtig.

Dass in den letzten drei Jahren von den etwa 600 neugebauten Wohnungen in Ottensen nur gerade einmal zehn Wohnungen (!) geförderter Wohnungsbau waren - einer grandiosen Quote von 1,5 Prozent und damit "nur knapp" unter dem avisierten Drittelmix vom Senat - und die übrigen freifinanzierten Wohnungen eher im Luxussegment anzutreffen sind und damit den starken Aufwertungs- und Verdrängungstrend eher angeheizt statt gelindert haben, darüber müsse man auch mal hinwegsehen können. Schließlich würden doch in ein paar Jahren bestimmt auf dem im Nachbarstadtteil beheimateten Bahnhofsgelände einige Sozialwohnungen entstehen - ebenso momentan in Othmarschen auf einem seit Jahrzehnten brachliegenden Gewerbegrund. Dass dagegen in den sehr viel näher gelegenen Straßenzügen wie Griegstraße, Schützenstraße, Gaußstraße sowie Stahltwiete große Büroneubauten mit klangvollen Namen wie "PHOENIXKONTOR I" oder "KÜHNEVISION" in Planung sind, ist im eigenen Kampf gegen die "Wohnungsmonkultur" in Ottensen dann auch nicht so wichtig zu erwähnen.

Die direkten AnwohnerInnen, so der Investor auf der Projektseite, profitieren ebenfalls davon. Denn: Durch die 850 neuen Werber im Viertel werden wahrscheinlich die Preise im Gastrobereich sinken: "Dank besserer Auslastung ihrer Lokale gerade in der Mittagszeit werden die Gastronomen ihre Preise stabilisieren oder ihr Angebot sogar vergünstigen können." Sowas nennt man eine stichhaltige Kapitalismusanalyse.

Doch damit nicht genug. Mit einer Zuzugswelle ist ebenfalls in dem von steigenden Mieten und Verdrängung geplagten Viertel durch die neuen Arbeitsplätze nicht zu rechnen. Dies wird damit begründet, dass ja eh schon jeder vierte Mitatrbeiter von WPP im Viertel wohnt und Rest wohlmöglich gar kein Interesse hat nach Ottensen zu ziehen, da es ja in Städten "normal sei" nicht in der Nähe seines Arbeitsplatzes zu wohnen. Glück gehabt. Dann steht dem Büroneubau also wirklich nichts mehr im Wege. Wir sagen: Danke PROCOM!