Demonstration: Esso-Häuser bleiben!

  • Zwischenkundgebung am Nobistor
  • Die Demonstration erreicht den Spielbudenplatz

Gelungener Auftakt in den Widerstand gegen steigende Mieten und Verdrängung im Jahr 2013: Im Anschluss an die 2:3-Niederlage des FC St. Pauli gegen Hertha BSC haben am Sonntag dem 28. April bis zu 3.000 HamburgerInnen für den Erhalt der Esso-Häuser auf dem Kiez demonstriert. Erste Berichte finden sich in der Mopo, dem Abendblatt und bei Hamburg 1. Wir dokumentieren im Folgenden den Aufruf:

"Wenn die Häuser fallen, fällt auch das Viertel …

Im Herzen von St. Pauli liegen die so genannten ESSO Häuser. Seit nunmehr 4 Jahren kämpfen die BewohnerInnen, NachbarInnen und UnterstützerInnen als Initiative ESSO-Häuser für den Erhalt der Häuser.

Der milliardenschwere Investor, die Bayerische Hausbau hat den Gebäudekomplex 2009 gekauft und nie einen Hehl draus gemacht, dass er abreißen und neu bauen will. Verschwinden würden damit neben 107 Wohnungen, u.a. die Esso Tanke, das Molotow, der Planet Pauli Club, das Autohotel und anderes kiezaffines Gewerbe.

Doch die Rechnung haben sie erstmal ohne die Menschen vor Ort gemacht! Bis jetzt konnte der Abriss der Häuser verhindert werden und das soll auch so bleiben!

Nicht wenige der BewohnerInnen leben und arbeiten seit Jahrzehnten auch auf dem Kiez. Sie erlebten und prägten das Viertel, als es noch nicht für Stadtmarketing, Investoren und Besserverdienene attraktiv (gemacht) wurde. Das Areal steht symbolisch für den rauen, vielfältigen und offenen Charakter des Stadtteils mit seinen unterschiedlichen Menschen mit den verschiedensten Hintergründen. Es ist seit vielen Jahren eine der zentralen Anlaufstellen des Kiezes. So was lässt sich nicht von Investorenhand nachbauen.

Die renditegeleiteten Abriss- und Neubaupläne der Bayerischen Hausbau wären ein weiterer und wohl auch entscheidender Schritt in der Umstrukturierung von St. Pauli. Mietsteigerung (2/3 der neuen Wohnungen wäre hochpreisige Miet- und Eigentumswohnungen), Verdrängung und die Zerstörung sozialer Strukturen auf St. Pauli wären die Folge. Wir wollen laut und deutlich sagen: Es reicht!

Die sozialen Widersprüche müssen sich hier weiter abbilden können und die Vertreibung und Aufwertung ein Ende haben.

 

… doch noch ist nichts entschieden!

Derzeit wird ein Gutachten über die Tragfähigkeit der Häuser erstellt. Zweifelsohne gibt es Handlungsbedarf, doch der bestehende Instandhaltungsstau wurde bereits vom Vorbesitzer verursacht und durch die Bayerische Hausbau weiter verschärft. Er darf nicht auf Kosten der MieterInnen als Argument für den Abriss dienen. Es gibt Alternativen zum Abriss!!
In den kommenden Monaten wird die Entscheidung um die Häuser fallen und die Entscheidung ist eine politische. Die Pläne des Investors lassen sich nur verwirklichen, wenn der geltende Bebauungsplan von der Politik geändert würde.
Der Kampf um die ESSO-Häuser steht symbolisch für verschiedene Entwicklungen auf St. Pauli, in Hamburg und in anderen Städten. Die Kommerzialisierung des Viertels wird vorangetrieben und geht zu Lasten seiner BewohnerInnen.

Statt Zwangsräumungen von Mieter_innen, Vertreibung von Wohnungslosen durch Privatisierung und Ordnungsdienste wie am Spielbudenplatz oder durch die zeitweise aufgebauten Zäune und Gitter an der Kersten Miles Brücke fordern wir die Teilhabe von allen in städtischen Räumen und Recht auf Stadt für alle.

Zeigen wir am 28.4. deutlich welche Art der Stadtentwicklung wir wollen. Eine die sich an den Bedürfnissen der BewohnerInnen orientiert und nicht an den Interessen des „Unternehmens Hamburg“!"