Bitter aber wahr: In Hamburg stehen 970.000 m² Bürofläche leer!
Vor nun mehr drei Jahren zog am 23. Oktober 2010 ein Demonstrationszug mit mehreren tausend TeilnehmerInnen vom Uni-Campus zu dem fast komplett leerstehenden Astra-Turm auf St. Pauli um gegen den massiven (Büro-)Leerstand zu protestieren und bezahlbaren Wohnraum einzufordern. Am 10. Oktober 2012 veröffentlichte das Abendblatt Berechnungen von Grossmann & Berger, die deutlich machen, dass sich die Situation nur unwesentlich verbessert hat: "Danach stehen noch 970.000 m² Bürofläche leer."
Glaubt man den Aussagen, die Sami Steinbach, Vorstand der Angermann Real Estate Advisory AG, im Abendblatt von sich gab, dann sind große Teile dieser Flächen weder beliebt, noch leicht zu vermieten: "Diese Flächen sind zwar durchaus vermittelbar, sie sind aber kein Ersatz für hochwertige Büroflächen in der Innenstadt, die vor allem jetzt gesucht werden." Was jetzt? Sind sie "durchaus vermittelbar" oder werden Büroflächen in der Innenstadt gesucht? Während in Hamburg der Mietenwahnsinn immer extremere Auswüchse annimmt, stehen offensichtlich hunderttausende Quadratmeter Bürofläche außerhalb des Stadtzentrums dauerhaft leer. Im Aufruf zur Demonstration "Leerstand zu Wohnraum" hieß es damals: "Der Hintergrund dieser absurden Vorgänge ist, dass sich Leerstand für viele Firmen lohnt und dieses Geschäftsmodell zudem gesetzlich verankert ist. Leerstehende Gewerbeflächen können nämlich als Verluste von der Steuer abgeschrieben werden. Anders als bei Wohnraum besteht keine Verpflichtung, den Raum zu vermieten. Mit dem Bau von immer neuen Gewerbeflächen wird gleichzeitig verhindert, dass Wohnraum entstehen kann. Die Knappheit an Wohnraum treibt wiederum die Mieten in die Höhe." Die regierende SPD schaut dem Treiben der Immobilienunternehmen weiterhin nur staunend zu. Im Juni wurde zwar bekannt, dass leerstehenden Büroflächen in Wohnraum umgewandelt werden sollen - bei 11 Euro/m² handelt es sich aber um hochpreisigen Wohnraum, der für die meisten Menschen in dieser Stadt nicht bezahlbar ist (vgl. Artikel der AG-Mieten). Inzwischen taucht zu allem Überfluss auch noch das Unternehmen Camelot in Hamburg auf. In den Niederlande verdient das Unternehmen mit "Antikraak" sein Geld: Die "WächterInnen" erhalten für die leerstehende Immobilie, die sie bewohnen, keine regulären Mietverträge. Sie haben somit auch keine MieterInnenrechte. Der Preis für billige Mieten: Eingriff in Freiheitsrechte und Privatsphäre, kein Mietschutz. Die Wohnungsnot wird ausgenutzt - zum Wohl der Immobilienbesitzer und der Vermittler.
Wir aber meinen: Leerstand darf sich nicht mehr länger lohnen. Wir fordern daher die Entkriminalisierung von Besetzungen leerstehender Häuser! Leerstand muss bewohnt werden!
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