"Alles was dumm und scheiße ist, findet hier statt" (Rocko Schamoni)

  • Das Gewinnerfoto des Blue-Port-Wettbewerbs | Foto: Nils Waldow
  • Foto: Rasande Tyskar (www.flickr.com/photos/rasande)
  • Punktestand am Montag Nachmittag

Am Wochenende (17.-19.8.) lud das Schwabinggrad Ballett zur politischen Versammlung und Diskussion auf den „Platz der unbilligen Lösungen“ in Park Fiction. Der Kontrast hätte kaum größer seien können. Während Hunderte den öffentlichen Park auf St. Pauli okkupierten, mit AktivistInnen aus Griechenland, Spanien und Italien debattierten und die warmen Spätsommerabende genossen, präsentierte die Stadt Hamburg im Hafen ein gigantisches Spektakel mit Kreuzfahrtschiffen, Radrennen und der nächtlichen Illumination „Blue Port“. Doch am Rand von Park Fiction regte sich auch Widerstand gegen die Vermarktung.

Update: Inzwischen ist der "Blue Port"-Fotowettbewerb beendet. Nils Waldow, der die meisten Stimmen für sein Foto der "Fuck U!"-Installation erhielt, wurde gemeinsam mit einem weiteren Fotografen zum Gewinner des Wettbewerbs erklärt. Doch sein Bild soll künftig nicht das Facebook-Profil der Stadt Hamburg schmücken, wie Geschäftsführer Axel Konjack auf hamburg.de begründet: "Uns ist es wichtig, ein Profilbild zu nutzen, mit dem alle Fans etwas anfangen können, nicht nur diejenigen, die die aktuelle Diskussion im Netz verfolgt haben."

Auch in der Presse wurde die hamburg.de-Aktion zur Lachnummer:

FTD: Wie der Hamburger Blue Port sein blaues Wunder erlebte

Mopo: „Fuck U!“ Schönheits-Preis für Pöbel-Protest

taz: Fuck Marketing - Eigentor zur Welt

 

Beauftragt durch die Hamburg Marketing GmbH sollten Vermarktungsstrategen im Rahmen der Hamburg Cruise Days Touristenmassen in die Stadt locken. Schlagermove, Harley Days und Cruise Days, die Liste der Groß-Events ließe sich inzwischen beliebig fortsetzen. Stets steht die Vermarktung der Stadt und des Stadtteils im Vordergrund. Die Interessen der BewohnerInnen bleiben weitgehend unberücksichtig. Vielmehr wird die Gentrifizierung auf St. Pauli vorangetrieben, wirksame Schritte gegen den Mietenwahnsinn – beispielsweise die Einführung einer Mietobergrenze – stehen nicht zur Debatte. Doch auf St. Pauli wehren sich AnwohnerInnen schon seit vielen Jahren gegen die zunehmende Vermarktung ihres Stadtteils, gegen steigende Mieten und Verdrängung.  So fand sich die passende Antwort auf das Lichtkunst-Projekt „Blue Port Hamburg“ von Michael Batz gleich zu Beginn der Cruise Days an der Brücke vor dem „Golden Pudel Club“ bei der Hafenstraße: Grell-blau leuchtete dort ein deutliches „Fuck U!“ auf! Eine deutliches Zeichen gegen die Privatisierung und Vermarktung der Stadt. Not in our name, Marke Hamburg!

Und eine mutige und lustige Intervention, die vor allem in den sozialen Netzwerken für reichlich Wirbel sorgte. Hamburg.de hatte im Vorfeld des Blue Port einen Fotowettbewerb ausgerufen. Als Gewinn winkt ein großer „Abzug des Gewinnerbildes mit einer persönlichen Widmung des Lichtkünstlers“. Außerdem verspricht hamburg.de, dass das Gewinnerbild „für eine Woche das neue Titelbild“ der eigenen Facebook-Präsenz werden solle. Ein gefundenes Fressen für alle, denen die Vermarktung St. Paulis auf den Geist fällt. Schnell wurden Fotos der „Fuck U!“-Installation hochgeladen und ausgehend von der Facebook-Seite „Leerstand zu Wohnraum“ breitete sich der Wettbewerb in Windeseile aus. Bereits 24 Stunden vor Ende des „Wettbewerbs“ rangiert ein „Fuck U!“-Foto mit knapp 5.000 Aufrufe, über 2.300 Bewertungen und einer sensationellen Note 4,7 (Bestnote 5) auf Platz 1. Gefolgt von vier weiteren Bildern der „Fuck U!“-Installation.

Aktionsschluss ist nun der 21. August 2012 um 17 Uhr. Hamburg.de wird bei Facebook seine BesucherInnen künftig wohl für eine Woche mit den Worten „Fuck U!“ begrüßen ...

Hier ein paar Links zu tollen Bilder der „Fuck U!“-Installation von Rasande Tysker und ein Video.

Auch Mopo und Abendblatt berichten, immer mehr Menschen beteiligen sich an der Abstimmung. Am Ende gibt es zwei Gewinner und im Abblatt heißt es: Lichtkünstler Michael Batz gefällt Protestbild.